© 2010 Tobias Seifert

Detailreiche Ziegelkunst

Ein eher zufälliges Gespräch in den Strassen von Kolkata sollte meine weiteren Reiseplanungen ordentlich durcheinander bringen. Ein Reifenhändler lud mich zum kurzen Plaudern, während welchem ich auch mein nächstes Reiseziel erwähnte - die Hochgebirgsregion Darjeeling. Postwendend erklärte er mir, dass dort derzeit Generalstreik sei, und alle Touristen von den örtlichen Behörden ins Tal gefahren werden. Nichts würde mehr gehen. Auch in der Tageszeitung stand ein Artikel darüber und meine späteren Internetrecherchen brachten keine besseren Erkenntnisse. Super, und das einen Tag vor der geplanten Abfahrt per Zug. Ich musste Alternativen finden, das Risiko war zu groß, auf über 3000m vor verschlossenen Türen zu stehen. So wurden Tickets storniert und im Reiseplaner nach Alternativen gesucht – und gefunden. Richtung Bishnupur sollte es nun gehen, ein kleines Städtchen fünf Busstunden Nord-Östlich von Kolkata. Das Taxi brachte mich mitsamt Gepäck zur Mittagsstunde während der Rush-Hour zum überfüllten Busbahnhof und prompt setzte auch der Monsunregen ein. Half nix, zumindest weiß ich jetzt, dass mein Rucksack – Cape wasserdicht ist. Monsun-approved sozusagen. In Bishnupur war ich die Dorfattraktion, da einziger Tourist weit und breit. Mit meinem blauen Rucksack lief ich die Hauptstraße etwa 2km entlang, um zum Wunschhotel zu kommen. Ein netter älterer Herr, der gemütlich vor seinem Haus saß half mir den Weg zu finden. Er lud mich einen Tag später zum Tee. Einfach so. Großartig. Die 20km lange Tempeltour per Fahrrad - rikshaw hat sich gelohnt, denn die bis zu 1000 Jahre alten Terracotta-Tempel sind schon genial und in ihrer Art einzigartig in Indien- Nach dem Laufmarathon in Kolkata war das Fahren der langen Strecke mal echt erholsam. Und unglaublich, was man so alles aus Ziegelsteinen gestalten kann. Die Nächte im (Regierungs)hotel waren nicht besonders ruhig, das Zimmer erwies sich trotz netter Gartenterrasse als Moskitohochburg. Nach zwei Nächten ging es mit zerstochenen Beinen (trotz Repellent) weiter. Die nächste Neureiseeinplanung Bodhgaya wartete.

One Comment

  1. Maximilian Hanke
    Posted 23. Juli 2011 at 21:45 | #

    Hallo Herr Seifert,

    ich habe Ihren Reisebericht und die bemerkenswerten Fotos viele Male gelesen bzw. angeschaut. Ich war selbst noch nie in Indien und habe mich bis jetzt auch nicht besonders für dieses Land und die Kultur interessiert. Aber durch Ihre Schilderungen und die Bilder wurden mir die Menschen und ihr Alltag sowie die Landschaften, Orte und Situationen in einer wunderbar ehrlichen und unvoreingenommenen Weise nahegebracht, dass ich nicht weiter unwissend bleiben möchte, was dieses Land angeht. Übrigens scheinen Sie auch einen guten Eindruck auf die Inder gemacht zu haben - das sieht man einfach auf den Gesichtern der Menschen, die Sie fotografieren durften. Vielen Dank für die Texte und die Bilder!
    Haben Sie vor, das Material einem Verlag anzubieten oder gibt es Ihren Reisebericht schon als Buch? Bitte erlauben Sie mir auch zu fragen, welche Kamera und welches Objektiv sie in Indien benutzt haben - die Fotos sind technisch und gestalterisch auf hohem Niveau (meiner Meinung nach) …

    Mit freundlichen Grüßen
    Maximilian Hanke
    Berlin

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