© 2010 Tobias Seifert

Wildes Kick-Training

Nach dem fieberbedingt um zwei Tage verlängerten Aufenthalt in Varanasi blieb für meinen nächsten Zwischenstop - Allahabad - nicht viel Zeit. Nach dreistündiger Busfahrt und der Ankunft 17Uhr, folgte nach abermaliger Riksha-Fahrt das Einchecken im “Royal Hotel” , welches alles andere als Royal war (Stichwort: lichtloses “Bad”). Schon am nächsten Morgen ging es weiter nach Agra - per Zug. Kurz nach eins in der Nacht war ich dann endlich vor Ort. Eine Riksha (wiedermal) brachte mich zum Guest House, dessen Betreiber zu nächtlicher Stunde rausgeklingelt werden mußte. Einchecken…*gähn…, ausschlafen und Start zum Sightseeing. Agra - im touristen-bekannten Triangel mit Delhi und Jaipur geografisch verbunden - wird eigentlich nur aus einem Grund besucht: Dem Taj Mahal. An einem der sicherlich meistfotographierten Monumente weltweit geben sich jedes Jahr Millionen von Touristen die Klinke in die Hand, trotz des mit RS 750 teuerstem Eintrittspreis für eine solche Sehenswürdigkeit indienweit. (Inder zahlen RS20) Das riesige und unglaubliche Monument baute Shah Mahan 1632 zu Ehren seiner verstorbenen Ehefrau Mumaz Mahal. Komplett aus Marmor gefertigt, ist das Gebäude komplett symetrisch konstruiert, bis, ja bis auf das später zusätzlich installierte Grab für den Erbauer selbst. Es wurde direkt neben dem zentral gelegenen Grab der Ehefrau platziert. Die beste Zeit für einen Besuch ist sowohl zu Sonnenaufgang (hab ich nie geschafft…der Wecker…) oder Sonnenuntergang. Die Sonne “färbt” den weißen Marmor dann komplett goldgelb ein. Während der restlichen Tageszeit war der Andrang unglaublich, eine DDR-Bananenschlange ist ein Klacks im Vergleich.  Aber auch das Agra Fort, auf der anderen Seite des Yamuna Flusses in Sichtweite zum Taj Mahal gelegen, ist sehenswert. Riechenswert auf keinenfall. Neben dem penetranten Ammoniak-Geruch durch massenhaft unentfernten Fledermäuse-Kot missfiel mir auch der durch anscheinend ausschließlich  indische Touristen betriebene Missbrauch der dunklen Ecken des Gebäudekomplexes  als WC.  Unglaublich (gelinde gesagt). Auch im “Itimad-ud-Daulah”, dem so genannten Baby Taj, machte ich eine unglaubliche Erfahrung. Eine Horde Affen sollte den Aufenthalt in dem im Norden Agras gelegenen Gebäude unvergesslich machen. Duch Kolkata und Anegundi war ich bereits an die Tierchen gewöhnt. Ich wähnte mich daher in relativer Sicherheit, als ich fotomotiv-suchend in das Eck des Garten-Geländes ging, wo auch eine große Gruppe Affen spielte. Doch mit dem Geschrei eines Affen-Kids war der Spaß schnell vorbei und Muttertiere kamen im Affenlaufschritt auf mich zu. Meine Kamera in Händen, nahm ich die heranfliegendenspringenden Kletterer relfexartig volley - Per rechter Sandalen-Schlappe. “Kicked them like Beckham”, könnte man auch sagen. Zwei Locals halfen mir mit Schreien und geworfenen Steinen aus der Situation, die sich aus der lockeren Volley-Kicktrainingseinheit leicht hätte in eine gefährliche Abwehrschlacht entwickeln können. “Why do you go to this corner of the garden?”, fragte mich ein indischer Guide gutbetuchter japanischer Touristen nach der Stunt-Einlage. ” These are wild animals”, erklärte er weiter. Wär ich nie drauf gekommen.

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