© 2010 Tobias Seifert

Viereckiges Dreieck

Nachdem der Affenschock verdaut und das Taj Mahal von allen Seiten begutachtet war,  hieß es für mich in Agra Rucksack packen. Fatehpur Sikri wartete. Anders als die meisten Touris, welche die 40km von Agra schnell per Bus in einer Tagestour einmal hin und zurück fahren, entschloss ich mich, in dem kleinen Städchen zu übernachten. (Es gibt sogar eine Busroute Delhi, Agra und Fatehpur Sikri an einem Tag hin und zurück…) Die übliche Rikshafahrt zum Busbahnhof in Agra in den Knochen, wartete die nächste Schüttelprobe auf mich: Der Bus nach Fathepur Sikri sollte sich als echte Rostlaube erweisen - nein solch ne Kiste hatte ich bis dato echt noch nicht gesehen. Aber angekommen bin ich in Fatehpur trotzdem und mußte ersteinmal eine Bleibe finden. Also noch vor dem Haltepunkt aus dem Bus gesprungen, die Hauptstraße entlang gelaufen und Ausschau gehalten. Hotel entdeckt, trotz ausschließlich indischen Toiletten (inclusive Ameisen) für gut befunden, eingecheckt und nach kurzer Pause auch schon per Pedes auf Expeditionstour. Schon erstaunlich, wie man mit der Zeit immer routinierter die ganzen Hotelformalitäten erledigt hatte. Die Stadt Fatehpur war einst im 16. Jahrhundert Hauptstadt des Mughal Königreiches, und ist mittlerweile berühmt für seine fantastischen Palastruinen und die rießige Moschee. Die Stadt an sich, nun ja, ist dreckig ohne Ende. Der typische Trubel nebst regen Markttreiben war auch hier vorzufinden. Neu waren für mich allerdings LKW’s ohne Karosse, die - nur noch Sitz, Motor und Ladefläche auf Fahrgestell montiert - lauthals durch die Straßen knatterten. In der Moschee nervten mich Verkäufer, die mir allerhand Kleinkram andrehen wollten (”please come, here are the stones much cooler….[dem Rat gefolgt...]…do you want these handycraft? I’ll make it just cheaper for U…), die Barfusspflicht machte mir auch hier auf den wahnsinnig heißen Steinplatten zu schaffen, die Verkäufer erkannten dies und versuchten sogar daraus noch ein Geschäft zu machen…Die Moschee an sich war jedoch beeindruckend, allerdings nagt auch hier der Zahn der Sonne und der Zeit, überall sind kleine Baustellen zu entdecken gewesen. Im benachbarten Palastgelände war ich vor allem auf den “Ornamental Pool” photo-scharf, hatte ich doch Bilder in Erinnerung in denen die Wasseroberfläche wie ein Spiegel wirkte. In Realität wirkte die Oberfläche froschgrün, von einem komischen Moos befallen. *hmpf. Entschädigt für das froschgrüne Maleur hat mich hingegen das Diwan-i-Khas. Von aussen unscheinbar, offenbart sich im Inneren des Gebäudes eine ungewöhliche Konstruktion: Vier Emporen, auf denen früher Minister standen, waren über Stege mit einer zentralen Empore verbunden. Der König soll hier mittig in der Höhe stehend, mit seinen im Viereck um ihn herum positionierten Ministern debattiert haben. Die Anordnung könnte auch auf meine Reiseroute zutreffen, hab ich doch aus dem klassischen “Touristendreieck” Delhi-Agra-Jaipur” durch das Ansteuern von Fatephur Sikri ein (wenn auch unregelmäßiges) Viereck gemacht. Hah. Nächster Stop Jaipur.

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