© 2010 Tobias Seifert

Abenteuer in Pink

Nach entspanntem Frühstück machte ich mich von Fatehpur Sikri auf den Weg in Richtung Jaipur. Eine direkte Bus- oder Bahnverbindung gab es nicht. Einzige Möglichkeit, die “Pink-City” zu erreichen, bestand darin, einen Bus an der Schnellstraße anzuhalten -  ja an_zu_halten… Arm raus, Pfiff oder zu bereits stehendem Bus flitzen - mehrere Techniken helfen in Haltestelle-freien Zonen… Unter dem Motto “Der Weg ist das Abenteuer” fuhr ich also per Riksha mit Sack und Pack vom Hotel in Richtung Schnellstraße. Den ersten Bus verpasste ich knapp (Rufen, pfeifen, Schreeeien aus der Riksha - alles half nix), nach zehn Minuten kam aber schon der nächste. “Jaipur?” schrie ich laut, Nicken des Ticketverkäufers brachte Erleichterung meinerseits. Einen Schlafbus hatte ich erwischt, drinnen ausgebaut wie ein Zug, aber gefühlt hergerichtet wie ein Karnickelstall: Teilweise zu viert lagen die Fahrgäste auf den eingebauten Liegen, mir wurde eine Liege im hinteren Teil des Busses zugeteilt. Drei Männer lagen bereits dort. Mit Müh und Not fand mein Hintern eine halbwegs entspannte Sitzfläche auf der Liege. Ein Glück, die Fahrt nach Jaipur dauerte nur vier Stunden. Während der Fahrt waren zahlreiche Handykameras auf mich gerichtet: “Guys do you think we are in a Zoo here?”, fragte ich genervt. In Jaipur stieg ich an einer für mich nicht eingeplanten Stelle aus (per GPS wußte ich genau, wo sich der Bus gerade befand  und wo mein Hotel lag - von meiner Ausstiegsstelle war es weit entfernt), doch ein Mann kam zu mir hinter und fragte mich “Jaipur?”, so etwa als ob dies der einzige Halt in der Stadt wäre. als ich draußen meinen Rucksack aus dem Stauraum nahm, sah ich aus dem Augenwinkel, wie besagter Mann Geld von den zahlreich anwesenden Rikshafahrern bekam und es an den Busfahrer weiter reichte. Bingo. Mir war sofort klar, was eben abgelaufen ist und was nun kommt. Natürlich dauerte es nicht lange und die ersten Angebote für eine Riksha wurden gestellt. Ich war allerdings ziemlich sauer und nahm keines der Angebote an. Ich entschloss mich, erstmal per GPS in Richtung Hotel loszulaufen. Zwei Rikshafahrer folgten mir und wollten mich unbedingt als Fahrgast. Ich machte Ihnen lautstark deutlich, was ich davon hielt. Auch ein dritter Fahrer der Gruppe, der geschickt wurde stieß bei mir auf Granit. Ich wußte, dass die Jungs durch meine Nichtmitfahrt soeben ordentlich Miese gemacht haben. Mein einziger Trost in dieser bescheidenen Situation. Zwei Straßen weiter nahm ich dann einen anderen Fahrer der mich mit ordentlichem Umweg in die Nähe des Hotels brachte. Auch in Jaipur an sich bekam man es mit vielen aufdringlichen Verkäufern zu tun. Zugegeben, Jaipur ist soetwas wie der Shoppig-Heaven in Nord-Indien, unzählige Straßenzüge sind mit Shops zugebaut. Doch mir verging die Kauflust, nachdem ich aller zehn Meter erklären mußte, gerade eben diesen Schnickschnack nicht kaufen zu wollen. Ein Shop der Regierung war die Lösung für mich, herrlich entstspannt. Zwei Bilder wurden es. Ansonsten war die Stadt baulich gesehen beeindruckend. Allen voran das Maha Mahal - The Palace of winds - , welches mit zahlreichen Fenstern versehen sowas wie das Wahrzeichen von Jaipur ist. Frauen hätten hier früher die Straße durch die Fenster beobachtet. Auch der Konigspalast der (noch immer hier lebenden) Königfamlie und das Künstlerviertel waren beeindruckend. Der Wasserpalast hingegen war eine kleine Enttäuschung, Wassermangel ließ den Bau relativ blass erscheinen. Wäre noch zu klären, warum Jaipur auch als Pink City bezeichnet wird. Für den Besuch des Englischen Königs wurde die Innenstadt Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in - unter Rajasthani als gastfreundlich geltenes - Pink getaucht. Schlussfolgerung für mich: das Gros der Rikshafahrer in Jaipur zählt nicht zu den Rajasthani.

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