© 2010 Tobias Seifert

Reise(ein)blicke

Nun bin ich schon vier (!) Monate wieder hier im mittlerweile kalten Deutschland. Zeit genug eigentlich, um die “finalen” Texte ins Netz zu stellen. Eigentlich - wenn da nicht die insgesamt über 4900 Bilder auf meiner Festplatte wären, die geordnet, gesichtet und auch gezeigt werden wollen. Gerade auf einem an die 10000km langen Trip, der zum großen Teil per Bus, Bahn, Riksha, Bananenblätter-Floss, Fähre und zu Fuß zurück gelegt wurde, kommt man in unzählige Situationen, die Kamera zu zücken. Doch nicht nur die Bilder sind zu ordnen, auch im Kopf müssen Eindrücke verarbeitet und reflektiert werden. Das dauert. Auch der wiedereingekehrte deutsche Studien- und Arbeitsalltag fordert seinen (Zeit-)Tribut und lässt die Blogfinalisierungspläne immer wieder verschieben. Was war das also  eigentlich für ein Trip, den ich da nach dem an und für sich bereits unfassbaren Erlebnissen in Manipal / Karnataka gemacht habe?. Ich denke, ich hab das bis jetzt noch nicht so richtig begriffen. Und warum allein? Grenzen ausloten. Und? Ja, die wurden ausgelotet. Die nackten Zahlen: In sieben Wochen bin ich durch 14 Bundesstaaten gereist, habe 19 mal Quartier in zum Teil unglaublichen Absteigen (gewollt, auch geniale Zimmer waren dabei) bezogen und nur den Rückweg von Udaipur nach Mangalore im Süden aus Zeitmangel mit dem Flieger zurück gelegt. Ich bin auf fahrende Züge aufgesprungen, habe Buse per Hand und Rufen an der Schnellstraße gestoppt,  mit verrückten Leuten aus aller Welt bei Vollmond in GOA die Arabische See unsicher gemacht, bin durch kniehohes Monsunwasser in Südindien gewatet, habe schmerzhafte Unfallbekanntschaft mit Fahrrad-Riskhas gemacht, musste gegen wilde Affen kämpfen, streunende Hunde in Flucht schlagen, mir Wasserflaschen von heiligen Kühen aus der Hand schlagen lassen, habe unzählige und unbekannte Gerichte auf der Straße ausprobiert, ein Fernsehinterview gegeben, zwei Regenschirme verloren und gegen 39°C hohes Fieber gekämpft- die prägenden Erlebnisse könnte ich hier immer so weiter führen. Die Kamera war immer dabei. Wie sich jetzt zeigt, sind gerade die Bilder der “Nebenschauplätze” für mich ein großer Teil des Indiens, welches ich tagtäglich erlebt habe - Touristenattraktionen hin oder her.

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